Stadtteilerklärung: Gostenhof spielt nicht mehr mit…

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Gostenhof spielt nicht mehr mit…

Gostenhof ist gefragt. Unser Viertel wird gezielt umstrukturiert. Immobilienbüros, Konzerne, Baufirmen, Banken und SpekulantenInnen, sie alle wollen hier das große Geschäft machen. Sie haben begonnen, unseren Stadtteil aufzukaufen und umzukrempeln. Bezahlbare Wohnungen werden immer mehr zur Mangelware und die Mieten steigen seit Jahren! Überall wird gebaut und saniert. Statt bezahlbarer Wohnungen entstehen jedoch nur Großprojekte von Firmen, werden überteuerte Stadthäuser hochgezogen und Luxusherbergen errichtet. Seit Gostenhof als In-Viertel angepriesen wird, werden nur noch Miet- und Eigentumswohnungen für gut Situierte geschaffen und selbst oberflächlich und schlecht renovierte Wohnungen werden heute immer kostspieliger vermarktet. Für uns wird es immer teurer, für die ersten bereits unbezahlbar; sie werden vertrieben! Ob wir das Alles wollen? Gefragt hat uns niemand! Es wird von den städtischen Verantwortlichen, der Politik und der Immobilienwirtschaft über unsere Köpfe hinweg geplant und entschieden.

Ob wir uns das länger gefallen lassen? Wir sagen euch hier und heute, laut und selbstbewusst: Nein! Wir sind nicht länger gehorsame MieterInnen, die sich alles bieten lassen

2015_erk_1Lernen wir unsere Nachbarinnen und Nachbarn kennen. Werden wir aktive Mieterinnen und Mieter.

Wir sind die BewohnerInnen dieses Stadtteils. Wir sind GostenhoferInnen geworden, weil es bezahlbar war – und manchmal auch noch ist – hier zu wohnen, weil es viele Wohnungen gab und wir auch eine bekommen konnten. Wir sind GostenhoferInnen weil wir keine Vorurteile haben, nichts auf das Geschwätz von jenen geben, die unser Viertel als asozialen Stadtteil, Kanacken- und Glasscherbenviertel, oder Chaotenstadtteil beschimpften und heute als In-Viertel vermarkten oder bewohnen wollen. Wir leben auch hier, weil uns die lebendige, laute und vielfältige Gostenhofer Kultur gefällt. Wir sind GostenhoferInnen, ArbeiterInnen und Angestellte, RentnerInnen und Hartz IV EmpfängerInnen, SchülerInnen und StudentInnen. Wir kommen aus verschiedenen Ländern, unser Einkommen ist, wie unsere Miete, unterschiedlich hoch, doch bis heute ist die Mehrheit hier nicht reich. Bisher lebten wir nebeneinander, waren rebellisch aber oft auch vereinzelt und mussten uns deshalb auch vieles von HausbesitzerInnen und der Politik bieten lassen.

Nun gilt für uns als MieterInnen und NachbarInnen: Wir kommen zusammen, lernen uns kennen und spielen nicht mehr mit! Ab jetzt wehren wir uns gemeinsam!

2015_erk_2 Setzen wir gemeinsam unsere Rechte durch! Gegen unzumutbare Wohnbedingungen, Pfusch und Mieterhöhung.

Es gibt sie auch heute noch in Gostenhof: die billigen Wohnungen. Die Bausubstanz wird jedoch beständig schlechter. Wer nicht instandhält und alles verkommen lässt, kann dadurch hohe Gewinne machen. Deshalb müssen manche in unserem Stadtteil in heruntergekommenen Wohnungen leben. Schimmel, Ungeziefer, kaputte Bäder und Heizungen etc. sind vielerorts zu finden. Einige der dafür verantwortlichen HausbesitzerInnen sind in Gostenhof nun – wie schon anderswo – auf den für uns teuren „In-Viertel“ Zug aufgesprungen. Sie lassen da ein bisschen streichen, die Fassade wird aufpoliert und es wird viel billiger Pfusch betrieben. Im Anschluss sollen die MieterInnen weiterhin unter miesen Bedingungen wohnen, nur mehr bezahlen; die Miete wird erhöht.

Wir meinen Schluss damit. Gostenhof spielt nicht mehr mit. Ab jetzt werden wir alle Möglichkeiten ausschöpfen, uns gegen Mieterhöhungen und unzumutbare Wohnbedingungen zur Wehr zu setzen. Wir rufen alle betroffenen NachbarInnen auf, die noch nicht mit machen: Informiert euch über eure Rechte! Werdet Mitglied in Mietervereinen! Lasst eure Nebenkostenabrechnung, Mieterhöhung, Kündigung etc. prüfen! Legt Widerspruch ein! Fordert als einen ersten Schritt eure gesetzlichen Rechte ein. Unterstützt euch, seid solidarisch und vor allem wehrt euch gemeinsam!

2015_erk_3 Runter mit den Mieten – Rauf mit den Löhnen und Einkommen

Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander. Die Einkommen werden gedrückt und sinken. Das haben wir hier in Gostenhof deutlich zu spüren bekommen. Eine Minderheit wird immer reicher, während wir, die große Mehrheit, in unserem Stadtteil – wie fast überall – ärmer wird, immer höhere Mieten bezahlen soll, wachsende Energie- und Nebenkosten aufbringen muss, für immer weniger Wohnraum immer mehr auszugeben gezwungen ist oder vertrieben wird. Wir müssen alle den Gürtel enger schnallen, sagt ihr da oben und meint damit uns, die Mehrheit. Während ihr, die gesellschaftliche Minderheit der HausbesitzerInnen, KapitalistInnen und SpekulantInnen, der Profiteure und Profiteurinnen des Immobilienmarktes, so auf unsere Kosten immer höhere Gewinne einstreicht.

Für uns gilt jedoch ab jetzt: Gostenhof spielt nicht mehr mit! Wir wehren uns gemeinsam! Wir fordern runter mit den Mieten, rauf mit den Einkommen und kämpfen gemeinsam und solidarisch mit allen, die sich für unsere Interessen und Bedürfnisse, die der Mehrheit, einsetzen!

2015_erk_4 Kein Geschäft mit unserem Viertel

Wir wollen bezahlbare Wohnungen in Gostenhof statt Luxussanierung, überteuerte Neubauten und kostspielige Eigenheime, die wir uns nicht leisten können. Für den Fall, dass ihr Immobilienhaie auch weiterhin unsere Bedürfnisse und Interessen ignoriert, dass ihr versucht den Ausverkauf unseres Stadtteils fortzusetzen und unseren Stadtteil weiterhin mit überteuerten Eigenheimen zuzubauen gedenkt, kündigen wir euch hiermit an, dass ihr ab jetzt mit unserem gemeinsamen Protest und Widerstand gegen eure Bauprojekte zu rechnen habt.

Gostenhof spielt nicht mehr mit. Wir wehren uns gemeinsam.

2015_erk_5Wir lassen uns nicht vertreiben! Gegen Gentrifizierung und Umstrukturierung

Gostenhof, das kann jeder sehen, wird umstrukturiert und gentrifiziert. Viele von uns mussten hier schon wegziehen, weil sie sich die teuren Mieten nicht mehr leisten konnten. Überall steigen die Mieten, eröffnen noble Läden und Gaststätten und es machen sich immer mehr KleinbürgerInnen, Yuppies und Reiche breit. Sie beanspruchen unseren Stadtteil für sich. Uns empfinden sie als Störenfriede, die nach und nach zu verschwinden haben. Wir wissen auch, dass nicht alle, die hier in Gostenhof in einer Eigentumswohnung leben, die sie gerade mal so abstottern können, unsere Feinde sind. Das kapitalistische Wirtschaftssystem hält hier nun einmal unterschiedliche Lebensbedingungen und Einkommen für uns, die Mehrheit der auf Lohn angewiesenen, bereit. Manche, die in Eigentumswohnungen leben, stehen durchaus auf unser Seite, auf der Seite der Mehrheit und lehnen die Gentrifizierung unseres Viertels wie die steigenden Mieten ab.

Wer jedoch auf sein Kapital gestützt, für sich den Wohnraum von anderen erobert, wer aufkauft, luxussaniert und unsere Mieten in die Höhe treibt, den betrachten wir als Gegner, der ist uns nicht willkommen. Gostenhof ist kein Viertel für die Reichen und wird es auch nicht werden. Wir lassen uns nicht vertreiben. Ab jetzt wehren wir uns gemeinsam! Auf welcher Seite stehst du?

2015_erk_6Keine Entscheidungen über unsere Köpfe hinweg

In Gostenhof werden von den politisch Verantwortlichen im Rathaus städtische Grundstücke an Immobilienfirmen verhökert, Bebauungspläne abgesegnet, Luxussanierungen und der Bau teurer Eigenheime gefördert. So entstehen auch immer mehr Großprojekte von Konzernen, ganze Häuserblöcke werden neu bebaut und gehen, trotz Wohnungsmangel, als Wohnraum verloren. Wir sagen: Schluss damit! Unser Wohnraum ist keine Ware! Gemeinsam sind wir eine Kraft und werden nicht länger hinnehmen, dass über unsere Köpfe hinweg über die Gestaltung unseres Stadtteils entschieden wird.

Gemeinsam wollen und werden wir in Zukunft unseren Stadtteil mitgestalten! Irgendwo in der Stadtverwaltung und in den Chefetagen von Immobilienfirmen geplanten Bauprojekten, die unseren Stadtteil umgestalten und unseren Interessen, den Interessen der Mehrheit der GostenhoferInnen, zu wieder laufen, werden wir uns ab jetzt entschieden entgegenstellen und widersetzen.

2015_erk_7Mietenwahnsinn stoppen! In Gostenhof und überall!

Wir wissen, dass es in vielen Stadtteilen und auch in anderen Städten nicht groß anders aussieht. Überall das selbe Bild: die Mieten steigen, es wird luxussaniert und in kostspielige Eigentumswohnungen umgewandelt. Statt günstigen Wohnungen werden teure Eigenheime errichtet, es wird umstrukturiert und gentrifiziert, die alte Bevölkerung wird vertrieben, es herrscht Wohnungsmangel, es wird zwangsgeräumt und viele müssen unter miesesten Bedingungen wohnen. Der Mehrheit, der dort Wohnenden und Lebenden geht es nicht anders als uns. Es wird über ihre Köpfe hinweg entschieden. Allen Betroffenen dort gehört deshalb selbstverständlich unsere Solidarität! Mit allen, die in der Südstadt oder Schweinau, in Leipzig, Berlin, Hamburg, Istanbul und Barcelona nicht länger alles hinnehmen, gegen steigende Mieten und Gentrifi zierung aktiv werden, wollen wir für unsere gemeinsamen Interessen kämpfen.

Für ein Leben ohne Angst, in dem wir uns nicht beständig fragen müssen, ob unser Einkommen auch morgen noch reicht um die teure Miete zu bezahlen.

2015_erk_8Unsere Wohnungen sind keine Ware – Das Geschäft mit dem Wohnen beenden – Wohnraum vergesellschaften

Knapp drei Viertel der über 1000 an der Gostenhofer Stadtteilumfrage 2014 Beteiligten, waren der Meinung, dass es für die gesellschaftliche Mehrheit besser wäre, das Geschäft mit der Ware Wohnraum zu beenden, die Wohnungen zu vergesellschaften, gemeinsam zu verwalten und nach Bedarf zu verteilen. Dem wollen wir uns an dieser Stelle uneingeschränkt anschließen. Das Geschäft mit unserem Wohnraum dient ausschließlich den Interessen einer kleinen gesellschaftlichen Minderheit. Wohnraum wird im Kapitalismus als Ware gehandelt. Eine Minderheit, die eine Wohnung oder ein Haus zu vermieten oder zu verkaufen hat, versucht mit dieser Ware möglichst viel Profit zu machen. Sie profi tiert davon, während wir gezwungen werden, um Wohnungen zu konkurrieren und schließlich immer mehr bezahlen sollen. Der kapitalistische Wohnungsmarkt ist ein unvernünftiges, ausschließlich an den Interessen einer Minderheit orientiertes System, das die Mehrheit in unserem Stadtteil zurecht ablehnt.

Gemeinsam setzen wir uns deshalb heute gegen steigende Mieten ein und perspektivisch für die Vergesellschaftung des Wohnraums..

2015_erk_ausrufeGostenhof spielt nicht mehr mit Wir verständigen uns, setzen uns Ziele und wehren uns gemeinsam!

Ein anspruchsvolles Programm haben wir da mit der Gostenhofer Erklärung geschaffen, in der wir die Ergebnisse unserer Umfrage und der gemeinsamen Diskussionen im Stadtteil zusammengefasst haben. Da stecken viele Ideen, Forderungen, konkrete Ziele und Vorstellungen von einem Gostenhof, ja sogar einer ganzen Welt drin, die nach den Bedürfnissen der Mehrheit der Menschen gestaltet ist. Klar ist, dass sich das alles nicht in ein paar Tagen um- und durchsetzen lässt. Manches wird einen längeren gesellschaftlichen Prozess benötigen, anderes können wir schon morgen schaffen. Sicher ist jedoch, dass wenn wir uns nicht daran machen, es gemeinsam zu versuchen, der begonnene Ausverkauf unseres Stadtteils weitergeht und über unsere Köpfe hinweg entschieden wird, was in Gostenhof geschieht. Die Mieten werden selbst bei schlechter Wohnqualität weiter steigen und immer mehr GostenhoferInnen werden verdrängt werden. Es wird weiter luxussaniert und es werden teure Eigenheime entstehen. Die Gentrifi zierung wird weiter voranschreiten, bis es schließlich auch dich erwischt, du dir die neue Mieterhöhung nicht mehr leisten kannst oder einfach gekündigt wirst und nichts Neues im Stadtteil findest. Darum müssen wir, die Mehrheit der GostenhoferInnen, hier und jetzt zusammenstehen. Gostenhof spielt nicht mehr mit – Wir wehren uns gemeinsam und jede und jeder kann da mit machen. Viele von uns haben bis heute jedoch keine Erfahrung damit: aufzustehen, Nein zu sagen, sich zu wehren und auch auf die Straße zu gehen. Erreichen können wir jedoch nur gemeinsam etwas und da brauchen wir auch dich.

Werden wir deshalb hier und jetzt aktive Mieter und Mieterinnen! Lernen wir unsere NachbarInnen kennen und wehren wir uns gemeinsam. Informieren wir uns und fordern unsere Rechte ein. Beteiligen wir uns an Kundgebungen, Veranstaltungen, Aktionen und Demonstrationen. Wir wollen, dass hier in Zukunft keine Mieterhöhung ohne Protest über die Bühne geht, dass die Schikanen von HausbesitzerInnen und Hausverwaltungen nicht mehr unbeantwortet bleiben, dass keine Luxussanierung läuft und kein Nobelwohnbau mehr gebaut werden kann ohne massiven Widerstand von uns allen.

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