Infokundgebungen zur Wohnungsmarktbeobachtung der Stadt Nürnberg

Ein Schlag ins Gesicht eines jeden Menschen, der in dieser Stadt verzweifelt auf der Suche nach einer halbwegs bezahlbaren Wohnung ist – die kleinteilige Untersuchung der Stadt Nürnberg.

Die Stadt Nürnberg veröffentlichte jüngst die kleinteilige Untersuchung des Nürnberger Wohnungsmarktes. Auch der Druck von MietaktivistInnen dürfte die Stadt zu diesem Schritt veranlasst haben. An der Interpretation der Ergebnisse haben die Initiative Mietenwahnsinn stoppen und die organisierte autonomie jedoch massive Kritik. Vor allem die Aussagen von Britta Walther, Leiterin des Stabs Wohnen im Wirtschaftsreferat, es gäbe “keine drastischen Entwicklungen” und „der Wohnungsmarkt ist sehr ausgeglichen“ riefen die AktivistInnen auf den Plan.

Bei drei Infokundgebung zwischen dem 13.04-15.04 wurde sich klar gegen diese Aussagen positioniert. Es wurden Flugblätter am Stand und in den Briefkästen des Viertels verteilt und mit vielen MieterInnen gesprochen. Die Reaktionen waren durch die Bank Empörung und Unverständnis über die Aussagen der Stadt Nürnberg und es gab viel Zuspruch für die Kritik der AktivistInnen. Die Menschen erzählten von ihrer eigenen Wohnsituation, von ihrer steigenden Miete und der Teuerung der Lebenskosten. MieterInnen schilderten, dass sie in zu kleinen Wohnungen mit zu vielen Menschen leben müssen. Andere wiederum sind seit Jahren ergebnislos beim Wohnungsamt als Suchende gemeldet.

Mit der Interpretation der Stadt hat die Wohnungssituation der Menschen im Viertel nichts gemein. Vielmehr ist „Diese Aussage (…) ein Schlag ins Gesicht eines jeden Menschen, der in dieser Stadt verzweifelt auf der Suche nach einer halbwegs bezahlbaren Wohnung ist“, empörte sich Sebastian Müller, Pressesprecher der Initiative Mietenwahnsinn stoppen in einer Pressemitteilung. Sabine Züge Pressesprecherin der organisierten autonomie ergänzte: „Dieser ganze Bericht ist ein einziges politisches Blendwerk. Die VerfasserInnen versuchen der Kritik, es werde nur im hochpreisigem Segment gebaut entgegenzuhalten, dass vor allem im mittleren Segment gebaut würde, nur um im nächsten Satz zu sagen, dass auch das mäßige und mittlere Segment nicht bezahlbar seien.“

Bereits in der Umfrage der organisierten autonomie und der Initiative Mietenwahnsinn stoppen bei der über 1000 GostenhoferInnen befragt worden sind, gaben 70% der Befragten an, dass es schwer sei, überhaupt eine bezahlbare Wohnung zu finden. Viele müssen sich wegen der Mietkosten bei anderen Ausgaben einschränken und mehr als die Hälfte fühlt sich bedroht. Viele Artikel der Nürnberger Nachrichten zum Thema Wohnen oder zur Miet- und Kaufpreisentwicklung stützen eigentlich die Sicht der MieterInnen. Dass der Rückgang von Sozialwohnungen oder der Wohnungen mit Sozialbindung den Markt entspannt, können wir uns beim besten Willen ebenso wenig vorstellen, wie das Verscherbeln städtischer Brachflächen an meist Bietende oder sogar den geplanten Verkauf der letzten 200 Wohnungen in städtischen Besitz.

Die kapitalistische Wohnungspolitik macht unseren Wohnraum zur Ware. Mit unserem Zuhause macht eine kleine gesellschaftlichen Minderheit, die SpekulantInnen, Immobilienfirmen und EigentümerInnen ihren Profit, den sie ständig – auf unsere Kosten – erhöhen wollen. Ihr Geschäft ist es, uns gegeneinander auszuspielen, die Mieten immer höher zu treiben und uns aus unseren Häusern zu schmeißen um mit Luxussanierung noch mehr Profit zu machen. Die Stadt verdient fleißig mit und fördert diese Entwicklungen und Prozesse. Sie kassiert bei der Grundsteuer, verkauft meist bietend und gibt politische und gesetzliche Schützenhilfe. Wir können daher nicht auf die Stadt vertrauen sondern müssen sie als politischen Gegner begreifen.

Wir müssen weiterhin auf unsere eigene Kraft und die unserer Nachbarn und Nachbarinnen bauen. Wir müssen uns weiterhin zusammenschließen, uns gegenseitig unterstützen und gemeinsam für die Interessen der Mehrheit der Gesellschaft kämpfen. Für unsere Interessen als Mieter und Mieterinnen. Für die Interessen unserer Klasse. Ebenso wie drei Viertel der befragten BewohnerInnen im Viertel halten wir die Vergesellschaftung von Wohnraum für eine verdammt gute Idee! Erst wenn wir in allen Lebensbereichen das Privateigentum abschaffen, kann jeder Mensch nach seinen Bedürfnissen leben und wohnen.

Wohnraum für Alle – Wohnraum vergesellschaften!

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