Stadtteilclub im Februar: Infoveranstaltung und Ausstellung mit AktivistInnen von „wenn nicht hier wodan(n)“

Samstag, 25.02.2017 um 20 Uhr im Stadtteilladen Schwarze Katze (Untere Seitenstraße 1, 90429 Nürnberg)

Eine bezahlbare Wohnung in Nürnberg zu finden, gleicht der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Horrende Mieten, kaum Chancen für GeringverdienerInnen, Alleinerziehende, RentnerInnen mit kleiner Pension und eben einfach alle, die nicht über ein überdurchschnittliches Einkommen verfügen. Die Nürnberger SPD wird dennoch nicht müde zu behaupten, alles für eine Verbesserung der Wohnraumsituation zu tun.
Vor dieser Kulisse wirkt es nahezu unglaublich, was sich in der Wodanstraße 57 im Nürnberger Süden abspielt: Dort steht seit knapp 20 Jahren ein Haus, das viel Platz für Wohnraum bieten würde, komplett leer. Vielleicht aus Spekulationsgründen, vielleicht aus Eigentumsscherereien. Fakt ist, es steht den Menschen, die Wohnraum dringend brauchen würden nicht zur Nutzung zur Verfügung. Ein Zusammenschluss von Leuten wollte diese Situation nicht länger hinnehmen. Unter dem Label „wenn nicht hier, wodan(n)?“ sollte das Haus im Juni vergangenen Jahres wieder seinen eigentlichem Zweck zugeführt werden: die Türen wurden geöffnet, Möbel herbei geschafft, gekehrt, Schutt heraus geräumt und der ebenfalls leere Eckladen zum Nachbarschaftscafe ausgestaltet. Die Reaktionen der NachbarInnen waren durchweg positiv. Endlich wird das Haus wieder zum Leben erweckt!

Doch dem Projekt waren lediglich 11 Stunden vergönnt. Denn dann traf die Polizei ein und nahm rund um das Objekt willkürlich Menschen fest. Diese willkürlichen Festnahmen müssen nun als Grundlage für 11 Verfahren wegen angeblichen Hausfriedensbruch herhalten. Jenseits der Willkür zeigen Polizei und Justiz durch diesen massiven Verfolgungseifer auf wessen Seite sie stehen: angeklagt werden Menschen, denen zur Last gelegt wird, ein Haus dessen eigentlicher Nutzungsbestimmung zuführen zu wollen! Sie werden angeklagt ein Haus zum Wohnen und Leben verwendet zu haben! Wie kann es illegal sein ein leeres Haus zu nutzen? Sollte die Frage nicht eher lauten: wie kann es sein, dass ein Haus knapp 20 Jahre überhaupt leer stehen kann?! Warum wird es nicht enteignet? Warum nicht seinen eigentlichem Zweck zugeführt?

Doch das ist die Eigentumslogik im Kapitalismus! Jeder kann mit seinem Eigentum tun und lassen, was er will. Da ist es auch möglich ein Haus dem Verfall frei zu geben, während die Notschlafstellen der Stadt aus allen Nähten platzen und selbst eine Familie mit durchschnittlichen Einkommen Probleme hat, überhaupt eine bezahlbare Wohnung zu finden! Und was tut die Stadt Nürnberg? Nichts. Jenseits der ermüdenden Wahlkampfversprechen, den sozialen Wohnungsbau zu fördern, passiert nichts, jedenfalls nichts Gutes: Baugenehmigungen im hochpreisigen Segment werden am Fließband erteilt, die letzten Freiflächen an PrivatinvestorInnen verscherbelt und die letzten Wohnungen im städtischen Besitz verramscht. Auf die Stadt Nürnberg ist also kein Verlass, weil auch sie im Interesse der EigentümerInnen, der Immobilienfirmen und SpekulantInnen handelt und von diesem Geschäft z.B. über höhere Grundsteuern profitiert.

Wir vertrauen daher nur in eine solidarische, entschlossene und gemeinsame Gegenwehr von MieterInnen und AktivistInnen – sei es durch die Abwendung von Mieterhöhungen oder Kündigungen oder aber auch die Wiederaneignung von Wohnraum. Im nächsten Stadtteilclub am 25.02. freuen wir uns deshalb, AktivistInnen aus dem Kreis „wenn nicht hier, wo dan(n)?“ zu begrüßen. Sie werden uns durch Erzählungen und anhand einer Ausstellung einen Einblick in die 11 Stunden geben, in denen das Haus nach knapp 20 Jahren mit Leben gefüllt wurde. Zudem gibt es ein Update zu den Prozessen, der erste fand am 9. Februar statt.

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