Text in der Zeitung des Bürgervereins von uns

Gostenhof_spielt_nicht_mehr_mitIn der Ausgabe Frühjahr 2016 des Magazins „Mitteilungen aus dem Nürnberger Westen“ vom Bürgerverein Gostenhof Kleinweidenmühle, Muggenhof und Doos ist ein Artikel von uns abgedruckt.

Unter dem Titel „Ein Beitrag der Mietrebellen“ ist folgender Text zu lesen:

Wir, die Initiative Mietenwahnsinn stoppen und die organisierte autonomie haben uns seit nunmehr drei Jahren dem Kampf gegen steigende Mieten, Ausverkauf und Verdrängung im Stadtteil Gostenhof verschrieben. Mit dem Start ins neue Jahr, wollen wir diese Zeilen nutzen, um uns, unsere Arbeit und die kommenden Aktivitäten vorzustellen.

Bisher ist viel passiert: eine große Umfrage, bei der 2014 über 1000 BewohnerInnen zu den Themen steigende Mieten, Verdrängung und Entscheidung über unsere Köpfe hinweg, befragt wurden. Der „Rechtstipps für Mietrebellen“-Flyer mit elementaren Mietrechten, der in allen Haushalten verteilt wur

de. Die Stadtteilerklärung, die die Ergebnisse der Umfrage zusammenfasst und das Stadtteilessen, das trotz des unsäglichen Verbots der Stadt Nürnberg, dieses am Jamnitzer Platz abzuhalten, unter großer Beteiligung statt fand. NachbarInnen lernten sich kennen, tauschten sich aus und der Stadtteilclub Reclaim Gostenhof an jeden 4. Samstag im Monat immer ab 19 Uhr im Stadtteilladen Schwarze Katze wurde ins Leben gerufen. Zusätzlich organisierten wir immer wieder Aktionen, wie Infotische, Lärmumzüge, Flyerverteilungen und Pressearbeit. Die Aufwertung in Gostenhof und deren Folgen, wie Verdrängung, aber auch, dass Menschen, sich an allen anderen Ecken einschränken müssen, um die teuren Mieten bezahlen zu können, schafften es in die verschiedensten Medien und so musste selbst die Stadt Nürnberg von ihrer Propaganda abrücken, es gäbe keine Gentrifizierungs-Probleme in Gostenhof.

Ein schöner erster Erfolg, aber das Problem besteht nach wie vor. Das Streben nach Profit treibt unsere Mieten in die Höhe und InvestorInnen und SpekulantInne

n versuchen nach wie vor, mit unserem Grundbedürfnis, ein Dach über dem Kopf zu haben, ihre Rendite zu steigern. Mit Luxusbauten und Eigenheimen ist nun mal mehr Profit zu machen. Und so endet die Logik des kapitalistischen Wirtschaftens darin, dass diejenigen, die die Häuser bauen, sich die Wohnungen darin niemals leisten werden können. Auch in diesem Jahr setzen wir unsere Aktivitäten fort. Unter dem Motto „Mietrebellen wollen es wissen! Wir wehren uns gemeinsam“ stehen die nächsten Monate weiterhin ganz im Zeichen des Widerstands. Wir wollen Möglichkeiten aufzeigen, wie sich Jeder und Jede zur Wehr setzen kann, aber auch wie der politische Kampf gemeinsam und solidarisch geführt werden kann. Am 23. Januar haben wir AktivistInnen aus Berlin und München eingeladen und ein hiesiger Mietverein informiert beim Stadtteilclub im Februar über rechtliche Möglichkeiten bei falschen Nebenkostenabrechnungen. Auch die Stadt muss mit uns rechnen.

Alles in einem geht es darum, den InvestorInnen bei dem Versuch, schnellen Profit aus unseren Wohnungen zu schlagen, gehörig in die Suppe zu spucken und die Stadt Nürnberg unter Druck zu setzen: Sie geben vor, keine Zahlen zu haben, zu beobachten, was in Gostenhof passieren wird. Heimlich, still und leise haben sie Fakten geschaffen und das Sanierungsgebiet We

st auf gesamt Gostenhof erweitert und somit neue Anreize für Investitionen mit hoher Renditeerwartung geschaffen. Sie verscherbeln städtischen Grund an den Meistbietenden und tun gleichzeitig so als hätten sie mit der Wohnungsnot nichts zu tun. Seit Jahren ist klar, dass die Sozialbindungen etlicher Wohnungen auslaufen und dass der soziale Wohnungsbau rückläufig ist. Immer mehr Menschen sind gezwungen, sich im Niedriglohnbereich zu verdingen, während die Lebenshaltungskosten steigen. Diese Fakten treffen aufeinander und machen gutes Wohnen zum Luxusgut.

Das ist kein Zustand: wir wollen, dass wir alle – in Gostenhof und überall – gut wohnen können. Dabei darf es keine Rolle spielen, woher wir kommen, was in unserem Geldbeutel ist oder ob wir gute Verbindungen haben. Dass ausreichend Platz, gute Fenster und Heizungen mehr Geld kosten, ist ein Argument der Rendite-orientierten Eigentümer, zählt für uns aber nicht. Denn was wäre der Umkehrschluss? Für all diejenigen von uns, die nicht genügend Geld haben, muss ein Loch, in dem es schimmelt und zieht, ausreichen?!

Nein, unser Widerstand muss weiter gehen, wir müssen konkret werden! Dafür braucht es uns alle: wendet euch an uns, wenn ihr Informationen über anstehende Verkäufe, Kündigungen oder anderes bezüglich des Stadtteil habt. Wendet euch an uns, wenn ihr aktiv werden wollt! Beteiligt euch an Aktionen und kommt zu den Veranstaltungen! Werdet Mitglied in einem Mietverein und wehrt euch! Wehren wir uns gemeinsam! Werden wir aktive, solidarische und rebellische MieterInnen!

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